Träume – Warum sie so wichtig sind

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Warum träumen wir

Hey, wach auf. Weißt du eigentlich, dass eine 30-jährige Person in Summe bereits 10 Jahre geschlafen hat? Davon hat diese Person etwa 2,5 Jahre geträumt. Wenn wir so viel Zeit im Land der Fantasie verbringen, dann möchte ich mir im Folgenden auch etwas Zeit dafür nehmen, darüber nachdenken, was das Ganze eigentlich soll.

Träumen ist ein faszinierendes Thema. Wir alle haben Erfahrungen mit unseren Träumen. Wir erinnern uns oft nicht an sie, aber wir träumen jede Nacht. Mal fliegen wir die ganze Zeit durch die Gegend oder treffen alte Freunde, die wir ewig nicht gesehen haben. Wir sind vielleicht auch mal in Situationen, in denen wir uns nicht wohl fühlen oder die total verrückt und unlogisch sind. Während des Traumes erscheint uns das alles aber als ganz normal. Wollen wir am nächsten Morgen über unseren Traum berichten, fällt uns das oft schwer und wir bekommen das Erlebte nicht mehr in Worte gefasst. Obwohl wir die Bilder noch ganz klar vor Augen haben.

Wie so vieles in unserem Leben denken wir nicht weiter darüber nach und nehmen das Traumgeschehen einfach als gegeben hin. Wir kennen es ja nicht anders. Aber ist das bei genauerer Betrachtung nicht faszinierend, dass wir in eine ganz andere Welt eintauchen können? Ohne Kino, sondern mit unseren eigenen Sinnen eine andere Realität erfahren. Was ist das für eine Art von Realität bzw. Ebene, in der wir uns da befinden? Und ist das alles nur zu unserer nächtlichen Unterhaltung gedacht oder haben Träume auch einen Sinn und Zweck?

Wie früher, so auch heute …

Seit ca. 2500 v. Chr. beschäftigen sich die Kulturen dieser Erde nachweislich mit Träumen und deren Erforschung. In der Antike beschäftigten sich u. a. Demokrit, Aristoteles und Platon mit der Erforschung von Träumen. Die griechischen Philosophen waren auch herausragende Wissenschaftler und versuchten, die Bedeutung der Träume zu enträtseln. Auch ist dies von den Ägyptern, Buddhisten und der sumerischen Kultur bekannt. Alte Schriften aus dem Nahen/Mittleren Osten und Europa enthalten sehr viele aufgeschriebene Träume, Traumdeutungen und literarische Traumberichte.

In allen traditionellen Kulturen wurden die Träume als Möglichkeit betrachtet, mit der eigenen unbewussten Ebene in Kontakt treten zu können. Auch wurden Träume als Hinweise zukünftiger Ereignisse gesehen oder im Zusammenhang mit göttlichen Botschaften erwähnt. Der Traum bildet dabei eine Brücke zwischen der eigenen unbewussten Ebene und der uns umgebenden größeren Welt. Diese Auffassungen bilden die Grundlage der Oneiromantie. Sie bezeichnet die Anwendung der Traumdeutung und Traumforschung. (Quelle 1, 2, 3)

In der modernen Traumforschung beruhen die Erkenntnisse unter anderem auf den Arbeiten von Sigmund Freud (1856-1939). In seinem Buch Die Traumdeutung beschreibt Freud seine Theorie, dass Träume eine Befriedigung verdrängter Wünsche darstellen. Unterdrückte und tabuisierte Wünsche aus dem Unbewussten drängen sich während der Traumphase in das Bewusstsein. Die Erforschung und Deutung der eigenen Träume steht daher im Dienste des Selbststudiums. Im Rahmen seiner Psychoanalyse hat Sigmund Freud die Traumdeutung systematisch eingesetzt, um ungeschminkten Zugang zum Unbewussten zu erhalten und Menschen seelisch therapieren können. Mit seiner Arbeit entfachte Sigmund Freud Interesse, große Diskussionen und eine neue wissenschaftliche Beschäftigung mit der Erforschung von Träumen.

Im Fokus der Forschung

Die neurobiologische Traumforschung gewann in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung und Erkenntnissen. Gegenstand der Forschung sind dabei die biologischen Hirnaktivitäten während des Schlafes. In der folgenden Abbildung werden diese Erkenntnisse dargestellt. Der Schlaf ist kein Zustand, der vom Einschlafen bis zum Wachwerden komplett eintönig verläuft. Der Mensch bzw. der Körper durchläuft verschiedene Phasen. Besonders intensiv träumen wir in der gekennzeichneten Traumphase (grün). Diese ist auch als REM-Phase bekannt (Rapid Eye Movement). Typisch für diese Phase sind schnelle Augenbewegungen und eine erhöhte Gehirnaktivität. Der Körper bleibt dabei entspannt. Aufgeteilt in mehrere Abschnitte nimmt diese Traumphase (REM) ca. 2 Stunden des Schlafes ein. Es ist aber auch möglich, dass in den anderen Phasen geträumt werden kann. Kurz vor dem Aufwachen durchlaufen wir eine letzte Traumphase. Dies ist der Grund dafür, dass wir nach dem Aufwachen oft das Gefühl haben, dass wir gerade eben noch im Traumland gewesen sind. (Quelle)

Schlafphasen
Schlaf-/Traumphasen in der Nacht, Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Netdoktor.de/mylife.de

Träume sind subjektiv

Das Erleben des Traumes bleibt aber trotz aller Messungen der Gehirnaktivitäten und Forschungen im Schlaflabor subjektiv. Die psychologische Traumforschung hat in den letzten Jahren viele Fallstudien mit Probanden durchgeführt. Sie haben deren Traumerfahrungen analysiert und hofften dabei auf neue Erkenntnisse. Aus diesen Fallstudien abgeleitete Thesen sind beispielsweise:

  • Träume als Möglichkeit zur Steigerung menschlicher Kreativität.
  • Als Mittel, die Sinneseindrücke des Alltags zu verarbeiten.
  • Träume sind wichtig für das Sozialleben eines Menschen, weil sie einer Person auf einem anderen Wege emotionale Probleme und Aufgaben aufzeigen können.
  • Oder dass Träume wie ein Training zu sehen sind, das uns auf potenziell gefährliche Situationen vorbereiten kann (Quelle).

Diese und viele andere Erkenntnisse unterstreichen die Relevanz der Träume und sehen den Traum als eine Art psychologischer Mentor. Durch die Zunahme an Studien, Erkenntnissen und der steigenden Komplexität merke ich, dass die Kernfrage nach dem grundsätzlichen Prinzip des Träumens noch immer offen ist. Je mehr ich über dieses Thema recherchiere, Studien lese und hier darüber schreibe, desto mehr zeigt sich mir, wie sehr Neurowissenschaftler, Psychiater und Psychologen trotz der großen Fortschritte noch immer vor einem Rätsel stehen.

Klarträume & luzide Träume

Wie bereits erwähnt, sind Träume immer subjektiv erfahrbar und können nur im Zusammenhang mit der Person, die geträumt hat, erforscht und gedeutet werden. Macht es dann Sinn, wenn wir uns nur durch Fremdstudien versuchen aufzuklären? Wäre es nicht sinnvoller und spannender, wenn wir das Träumen als Erfahrungswissenschaft betrachten und stattdessen unser Wissen durch Selbsterfahrung erweitern? Aber wie können wir unsere Traumwelt selbst intensiver erforschen und verstehen? Welchen Zugang können wir nutzen?

“Wir würden gut daran tun, den Traum wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückzubringen” (Prof. Dr. Michael Schredl, Wissenschaftliche Leitung Schlaflabor Mannheim)

Eine gute Möglichkeit ist das morgendliche Aufschreiben der eigenen Träume. Das Schreiben eines Traumtagebuches kann die Erinnerungen an die Träume deutlich verbessern. Und bei der Verarbeitung von Erlebnissen und Emotionen kann dies auch sehr hilfreich sein. Wer weiß, vielleicht liegt die Lösung offener Fragen in den Träumen.

Einen anderen Zugang zur eigenen Traumwelt können wir über sogenannte Klarträume erhalten, die auch als luzide Träume bekannt sind. Der deutsche Psychologe und Traumforscher Paul Tholey (1937-1998) beschreibt Klarträume als Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, dass man träumt und nach eigenem Entschluss handeln kann (Quelle). Es ist also ein Traum, in dem ich eine gewisse Kontrolle über die Situation und mein Handeln habe. Das Klarträumen hilft uns dabei, eine bewusste Verbindung zu unserem Unbewussten aufzubauen und uns selbst besser zu erkennen bzw. etwas über uns zu lernen.

Etwas praxisnaher formuliert: Im Klartraum kann ein Musiker nach neuen Melodien suchen oder ein Autor nach neuen Buchideen forschen. Das hört sich jetzt wie im Traum an. Und genau das ist es. Einsatz findet die Methode des Klarträumens auch in Bereichen der Psychotherapie für Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Hier können Fragen gestellt und beängstigende Vorkommnisse in Albträumen in eine positive Richtung gelenkt werden (Quelle). Die Möglichkeiten sind hier grenzenlos und der Traum steht als Inspirationsquelle zur Verfügung (Quelle). Vermutlich hat jeder Mensch die Fähigkeit, Klarträume zu erlernen und zu erleben. Dazu braucht es aber den festen Willen, Geduld und ein strukturiertes Umsetzen bestimmter Techniken (siehe hier). Viele kennen vermutlich den Film Inception mit Leonardo DiCaprio. In diesem Film bildet das bewusste Träumen die Grundlage der Erzählung. Hier sollte man allerdings im Hinterkopf haben, dass dies ein spannungsgeladener Hollywood-Film ist und keine Dokumentation.

Das Klarträumen ist schon seit der Antike bekannt und wird in verschiedenen Kulturkreisen als alte spirituelle Technik praktiziert. Im Buddhismus wird diese Praxis als Traumyoga bezeichnet, wo Mönche im Schlaf an ihrer spirituellen Weiterentwicklung arbeiten können. (Quelle)

Im Traum ist alles möglich, Quelle: Shutterstock

Die bisherigen Ausführungen der Traumforschung können durch die Erkenntnisse des Spiritismus gestützt und ergänzt werden. Der Spiritismus ist eine Wissenschaft, die die Natur der menschlichen Seele erforscht. Im Schlaf kann sich die menschliche Seele auf natürliche Weise zum Teil vom physischen Körper lösen. Die Träume zeigen dabei, dass die Seele während des Schlafes nicht untätig ist. Begegnungen mit anderen Seelen sind möglich. Die dabei von der Seele erfassten Gespräche und Eindrücke können vom groben physischen Körper nicht korrekt behalten werden, was die verwirrenden Erinnerungen nach dem Aufwachen erklären. Dennoch bleiben vom Traum gewisse Gedanken, die mit Emotionen, Gefühlen, Inspirationen und Absichten verbunden sind. Und weil wir den Traum nicht so gut in Worte fassen können, sind es genau diese Emotionen und Gefühle, die den Traum so wertvoll machen. Es scheint sich zu lohnen, diese genauer anzusehen. (Quelle)

Und warum sind Träume so wichtig?

Auf Basis der vorangegangenen Gedanken möchte ich nun versuchen, die Eingangsfrage zu beantworten. Die Herausforderung ist dabei die Komplexität, die sich durch verschiedene Betrachtungsweisen der Psychologie und Neurowissenschaften ergeben. Heruntergebrochen auf eine existenzielle Ebene lassen sich Träume nicht als unwillkürliche Gedankenbilder oder als zufälliges Nebenprodukt des Gehirns beschreiben. Vielmehr ist der Traum eine wichtige geistige Erfahrung unseres innersten Wesens. Als eine Art Eintauchen in die uns umgebende größere Welt, die über die Grenzen der physischen Welt hinausragt. Dieser Prozess, der mit dem Schlaf verbunden ist, erlaubt uns zu regenerieren, Themen zu verarbeiten und inspiriert zu werden. Wir träumen, um besser und gesünder leben zu können. Als Quelle neuer Kraft und Lebendigkeit.

Während ich diesen Artikel geschrieben habe, ist mein Interesse weiter gestiegen. Die Grundlage scheint geschaffen und die vor mir liegende Erforschung meiner eigenen Träume zeigt sich mit großer Offenheit. Ich möchte in Zukunft genauer hinsehen. Mit Notizbuch und Stift.

Ich wünsche allen gute Träume!

2 Kommentare

  1. Matthias, danke! Deine Texte sind klar und inspirierend! Ich freue mich auf den nächsten😀

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